Die Digitalisierung geht Hand in Hand mit Vernetzung. Im Zeitalter des Internet of Things, von Blockchain-Technologien und Cloud-Services sollte Kooperation untereinander kein Problem mehr darstellen. Gleichzeitig kann man im Netzwerk viele die einfacher leisten, sich gegenseitig helfen, voneinander lernen. Wie sah dies jedoch während der Corona Pandemie in den öffentlichen Verwaltungen aus? Wurde sich ausgetauscht, um die Umstellung auf den digitalen Betrieb zu beschleunigen? Wir möchten ergründen, ob und welche Netzwerke entstanden sind und ob sich neue Symbiosen entwickelt haben.

Auch in der öffentlichen Verwaltung ist der Arbeitsalltag in der Pandemie vor allem durch eines geprägt: Homeoffice. Was vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes unbedingt notwendig ist, erschwert sowohl den professionellen, aber vor allem auch den informellen Austausch innerhalb des Teams. Die Krux: Funktionierende Teams leben auch von den Synergien, die im informellen Austausch miteinander entstehen: der Plausch in der Teeküche oder die Unterredung am Rande des Meetings – Vieles von dem, was den Arbeitsalltag unserer Workshop-Teilnehmer:innen ausmachte, fiel während des Shutdowns im Frühjahr und durch die erneuten Einschränkungen des Spätherbstes weg. Neben Meetings in Webkonferenz-Tools etablierte sich vor allem das Mobiltelefon als Ausweichkanal für Kommunikation, und dies leider auch zu Zeiten, in denen man sich eigentlich schon im wohl verdienten Feierabend wähnte. Als „Entgrenzung der Arbeitszeiten“ beschrieben einige Teilnehmer:innen diese Situation. Während einige bereits ihren Freizeitaktivitäten nachgingen, saßen andere Kolleg:innen noch am heimischen Schreib- oder Küchentisch – etwa da am Vormittag noch die Care-Arbeit im Vordergrund stand. Dieser Umstand erschwert nicht nur Koordination und Abstimmungsprozesse, sondern fördert auch Stress und habe – zumindest langfristig – Einfluss auf die persönliche Resilienz der Teilnehmer:innen, was sich auch nachteilig auf die Performanz der Organisation insgesamt auswirken kann. Wichtig seien deshalb klar definierte Zeiträume, in denen möglichst alle erreichbar seien. Genauso wichtig seien aber auch Zeiträume, in denen sich niemand verpflichtet fühlt, erreichbar zu sein. Auch freiwillige Formate, die den informellen Austausch zwischen Kolleg:innen in den Vordergrund stellen, seien eine denkbare Option, um den Zusammenhalt im Team zu stärken.

Wo die Pandemie einerseits die Zusammenarbeit erschwert, war sie gleichzeitig auch Treiber neuer Kollaborationen. Vor allem IT-affine Kolleg:innen – teilweise aus ganz anderen Abteilungen und Referaten – standen mit ihrer Expertise bereit, um die Digitalisierung von Arbeitsprozessen zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit und Unterstützung über eigentliche Aufgaben- und Zuständigkeitsbereiche hinweg bricht ein stückweit mit den Charakteristika, die die wissenschaftliche Literatur der deutschen Verwaltung zuweilen zuschreibt: wenig flexible Zuständigkeiten und „Silodenken“. Dennoch: Diese „Organisational Champions“ stießen auch auf Widerstand unter Kolleg:innen. Nicht wenige Mitarbeiter:innen haben Vorbehalte gegenüber der „Expressdigitalisierung“, die Teile der deutschen Verwaltung erlebten, sei es etwa aufgrund von technischen Barrieren oder wegen Datenschutzbedenken. Vorbehalte und Probleme der Kolleg:innen seien dabei unbedingt an- und ernstzunehmen. Häufig seien dahinterliegende Probleme wie eine grundsätzliche Unsicherheit im Umgang mit Technologien Auslöser von Ablehnung. Diese solle man versuchen zu verstehen, zu adressieren sowie den Nutzen und die Vorteile von IT-Lösungen illustrieren.

Autor: Andree Pruin

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