Innovation durch Krise

„Innovation durch Krise“ ist eine digitale Konferenz für Verwaltungsmitarbeiter*innen, die am 4. Dezember 2020 stattfand.

Die Corona-Krise hat zu einem scheinbar raschen Aufholen eines digitalen Rückstands der deutschen Verwaltung geführt. Prozesse wurden ad-hoc digitalisiert, viele Mitarbeiter*innen arbeiteten im Home-Office, die Interaktion mit Bürger*innen erfolgt auf digitalem Wege. Technisch wie auch kulturell waren Innovationen möglich, die lange als unmöglich galten.

Am 4. Dezember kamen wir mit Verwaltungsmitarbeiter*innen und Führungskräften der öffentlichen Verwaltung darüber ins Gespräch, wie sie die Corona-Krise erlebt haben. Neben einzelnen Inputs zu bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden innerhalb kleinerer Workshopformate aus verschiedenen Perspektiven Probleme identifiziert und Lösungen erarbeitet.

Uns interessierte, welcher genaue Wandel sofort möglich war, ob neue (digitale) Kompetenzen ausgebildet wurden, wie dieses neue Wissen nun gesichert wird und ob sich etwas an der Aufgeschlossenheit gegenüber digitalem Arbeiten getan hat. Letztlich wollten wir gemeinsam überlegen: Was lernen wir aus den Entwicklungen in dieser Krisensituation für die Digitalisierung der Verwaltung und Wandlungs- und Lernprozesse in der Verwaltung generell?


Folgende Workshopthemen wurden bearbeitet:

  • Prozessdigitalisierung
  • digitale Interaktion mit Bürger*innen
  • digitales Arbeiten und Führen
  • finanzielle, personelle und technische Ressourcen
  • Kooperation und Beratung in Netzwerken
  • offener Workshopbereich

Auf unserem Blog haben wir Ihnen die Ergebnisse der einzelnen Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen zusammengefasst.

Workshops & Team

Gemeinsam sprachen wir in 6 Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten über digitale Innovationen in der Verwaltung.

1. Prozessdigitalisierung

Dieser Workshop beschäftigt sich mit internen Verwaltungsprozessen und solchen, die die Interaktion mit Verwaltungskund*innen betreffen. Es soll beleuchtet werden, welche Prozesse sich in der Corona-Krise sofort digitalisieren ließen und wie dies gelang. Waren hierfür bestimmte Herausforderungen erforderlich? War es einfacher, vollkommen neu geschaffene Prozesse gleich digital aufzusetzen, als bestehende zu verändern? Was ist von diesen Veränderungen heute noch übrig? Was wurde aber auch während Corona angestoßen und entwickelt sich nun weiter?

moderiert von:
Jennifer Pauli

        

begleitet durch:
Jan Adam

Jan Paul Adam ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Lehre und Forschung am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management. Sein Forschungsfokus liegt auf der Digitalen Transformation des öffentlichen Sektors und auf Strategien zur Digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung.


2. Digitale Interaktion von Verwaltung
und Bürger*innen

Als die Bürgerämter während der Corona-Krise für den Kund*innenverkehr schlossen, hat sich gezeigt, wie flexibel die Verwaltung ihre Kund*inneninteraktion gestalten. Auf der einen Seite wurden rasch digitale Varianten aufgesetzt, an manchen Stellen wurde die Arbeit nahezu eingestellt. Was ist in der Verwaltungsrealität wirklich passiert? Wie haben Verwaltungsmitarbeiter*innen weiterhin nach außen kommuniziert und wie konnte die Leistungserbringung der Verwaltung sichergestellt werden? Welche Wünsche haben auch Bürger*innen geäußert und was konnte davon umgesetzt werden?

moderiert von:
Nicola Harder

M.A., Kauffrau und Soziologin, seit 2003 freiberuflich mit dem Büro Sprachsinn als Moderatorin und Coach tätig

Tätigkeitsschwerpunkte: Moderationen für Kommunen und im Gesundheitswesen

www.sprachsinn.de

begleitet durch:
Justine Marienfeldt

Justine Marienfeldt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam. In ihrer Dissertation untersucht sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsorganisation und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Kommunalverwaltung sowie die Veränderungen in der Interaktion von Verwaltung und Bürger*innen.


3. Digitales Arbeiten und Führen

Einige Verwaltungsmitarbeiter*innen konnten in der Zeit der Kontaktbeschränkungen auf eine Arbeit im Homeoffice ausweichen – ob das Fluch oder Segen war, wollen wir diskutieren. Wie einfach war es für die einzelnen Menschen, wie auch ganze Teams, in ein digitales Arbeiten zu wechseln? Wie konnte in dieser Zeit noch geführt werden und Teams zusammenarbeiten? Welche Voraussetzungen für digitales Arbeiten waren vorhanden, welche müssen noch geschaffen werden? Für welche Arbeiten eignet sich das Homeoffice, für welche (noch) nicht und wie kann das geändert werden?

moderiert von:
Volkmar Henke

Volkmar Henke ist Betriebswirt, Trainer und systemischer Coach. Nach verschiedenen Stationen im Bankensektor leitete er einen Regionalgeschäftsbereich der Personalberatung und -vermittlung einer deutschen Großbank. Seit 2002 ist er als freier Trainer und Berater tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Führungskräfteentwicklung, der Arbeitsmethodik, dem Vertrieb sowie der strategischen Verhandlungsführung. Volkmar Henke arbeitet als Berater mit persönlichkeitsorientierten Vorgehensweisen nach einem systemischen Denk- und Arbeitsansatz.

begleitet durch:
Bonny Brandenburger

Bonny Brandenburger ist Doktorandin der Forschungsgruppe Bildung und Weiterbildung in der digitalen Gesellschaft am Weizenbaum-Institut und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam. In Ihrer Dissertation geht Frau Brandenburger der Frage nach, welches Bildungspotenzial DIYLab-Infrastrukturen bei der Förderung von digitalen Kompetenzen aufweisen. Ihre Forschungsinteressen liegen zudem im Bereich Wirtschaft 4.0, Personal- und Kompetenzentwicklung, Wissenstransfer und Open Innovation.


4. Finanzielle, personelle und technische Ressourcen

Mitarbeiter*innen spontan ins Homeoffice zu schicken, neue digitale Prozesse aufsetzen, digitale Infrastrukturen stärker auslasten – für all das braucht es finanzielle, personelle und technische Ressourcen. Inwiefern waren diese in der Verwaltung während der Corona-Zeit ausreichend vorhanden, wo haben sich Lücken gezeigt und welche waren das? Welche Anschaffungen und Einstellungen müssen in Zukunft priorisiert werden, um diese Lücken zu schließen? Wie konnte trotz fehlender Ressourcen gearbeitet werden und welche kreativen Lösungen wurden dazu gefunden?

moderiert von:
Tom Steinborn-Henke

Tom Steinborn-Henke, M.A. hat Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität Dresden und der Universität Stellenbosch (Republik Südafrika) studiert. Durch seine langjährige Tätigkeit als Berater und Trainer in der Dienstleistungsbranche im In- und Ausland besitzt Tom Steinborn-Henke über umfassende Erfahrungen. Als Spezialist für Handlungskompetenzen mit den Schwerpunkten interpersonale Kommunikation, Rhetorik sowie Kundenorientierung ist er in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ein gefragter Berater.

begleitet durch:
Moritz Heuberger

Moritz Heuberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam. Dort forscht, lehrt und promoviert er rund um das Thema Digitalisierung in der Verwaltung.


5. Kooperation und Beratung in Netzwerken

Die Kernidee der Verwaltungsdigitalisierung über das Onlinezugangsgesetz ist Kooperation. Ein Partner entwickelt Prototypen, die andere nutzen können. Das ist effizient, aber funktioniert nicht immer reibungslos. Lässt sich das auch auf Kooperationen bei der Lösungsfindung während der Corona-Krise übertragen? Gab es viele Einzelkämpfer*innen oder haben sich Verwaltungen auch zusammengetan? Haben sich Verwaltungen Expertise von außen geholt und sich beraten lassen und wie hat das gewirkt? Welche Netzwerke, die während der Corona-Krise entstanden sind, sind es wert, weiter zu bestehen?

moderiert von:
Claudia Bielfeldt

Claudia Bielfeldt ist freiberufliche Mediatorin, Moderatorin  und Trainerin. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis Moderation Schleswig-Holstein/Hamburg und leitet die Regionalgruppe Schleswig des Bundesverbandes für Mediation. Ihre Arbeitsweise ist durch den Einsatz mediativer Methoden geprägt. So sorgt sie dafür, dass die wesentlichen Aspekte und offenen Fragen in Diskussionen angesprochen werden.

begleitet durch:
Andree Pruin

Andree Pruin ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für „Politik und Regieren in Deutschland“ der Universität Potsdam und im international vergleichenden Forschungsprojekt TROPICO (Transforming Into Open, Innovative and Collaborative Governments). Er forscht im Bereich kollaborativer Formen moderner Regierungsführung und zu wechselseitigen Dynamiken, die sich durch die Digitalisierung in Staat und Zivilgesellschaft ergeben.


6. Offenes Thema

Sie haben noch ganz andere Dinge während der Corona-Zeit an Ihrem Arbeitsplatz erlebt und wollen diese mit uns teilen? Sie haben in Ihrer Verwaltung etwas erreicht, das Sie nun als Best Practice an andere weitergeben wollen? Oder Sie wurden mit Problemen konfrontiert, für die es keine Lösung gab und Sie suchen nun eine? Schreiben Sie uns Ihren Themenwunsch, der nicht in den anderen Workshops vorkommt, ins Anmeldeformular unter „Details“. Wir kombinieren dann entweder verschiedene Themen in diesem Workshop oder setzen ein Oberthema, wenn sich Vorschläge thematisch ähneln.

moderiert von:
Lara Buschmann

Lara Buschmann ist zertifizierte Moderatorin und systematische Organisationsberaterin. Ihr Handwerk ist der Blick fürs Wesentliche und ihr feines Gespür dafür, welche Wege dorthin führen. Lara Buschmann gestaltet Kommunikationsräume, in denen Tiefe möglich ist und Dinge neu in den Blick genommen werden können. Ganz gleich, ob es um die eigene Verortung im Leben, das berufliche Miteinander im Team oder um strukturelle Fragen in der Organisation geht: Mit Lara arbeiten Sie am Kern.

begleitet durch:
Caroline Fischer

Dr. Caroline Fischer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management an der Universität Potsdam. Sie forscht und lehrt zum Arbeitsverhalten und der Motivation von Verwaltungsmitarbeiter*innen, insbesondere unter dem Einfluss von Veränderungen wie der digitalen Transformation. Sie interessiert sich auch für den Umgang mit Wissen, Fehlern und Innovationen.


Referent*innen & Diskutant*innen

Vorträge

Nach der ersten Workshop-Phase präsentierten Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen disziplinären Perspektiven in kurzen Inputvorträgen aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse ihrer Forschung zum Thema Digitalisierung der Verwaltung. Prof. Dr. Proeller der Universität Potsdam stellte ihre Studie zum Homeoffice in der Verwaltung vor. Prof. Dr. Heine referierte über ihre Untersuchung, inwieweit Corona zur Prozessdigitalisierung in der Verwaltung beigetragen hat. An die Vorträge schloss sich eine Frage- und Diskussionsrunde an.

Prof. Dr. Isabella Proeller,
Universität Potsdam

Isabella Proeller ist Inhaberin des Lehrstuhls für Public und Nonprofit Management an der Universität Potsdam und Gastprofessorin an der Universität St. Gallen. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich vor allem mit der Frage, inwiefern und mit welchen Effekten in öffentlichen Verwaltungs-organisationen strategisch und zielgerichtet geführt und gesteuert wird. Im November 2020 erscheint ihr Buch „Public Administration in Germany“.

Prof. Dr. Moreen Heine,
Universität zu Lübeck

Moreen Heine ist seit April 2019 Professorin für E-Government und Open Data Ecosystems an der Universität zu Lübeck. Zuvor war sie Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Digital Government, an der Universität Potsdam. Sie ist außerdem wissenschaftliche Leiterin des Joint Innovation Labs, in dem Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam an konkreten Lösungen für E-Government und Open Government arbeiten.


Podiumsdiskussion

Abgeschlossen wurde die Digitalkonferenz durch eine Podiumsdiskussion bei der Vertreter*innen der Politik, Wissenschaft und Bürger*innen über die Entwicklung in der Corona-Krise debattierten. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

Ann Cathrin Riedel,
Perspektive der Politik & Zivilgesellschaft

Ann Cathrin Riedel ist Vorsitzende von LOAD e.V. – Verein für liberale Netzpolitik und Vize-Präsidentin der European Society for Digital Sovereignty e.V. und ist Themenmanagerin bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. In ihren Funktionen publiziert und spricht sie regelmäßig über Ethik und Bürgerrechte, sowie digitale Souveränität.

Foto-Credits: Paul Alexander Probst

Dr. Caroline Fischer,
Perspektive der Wissenschaft

Dr. Caroline Fischer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management an der Universität Potsdam. Sie forscht und lehrt zum Arbeitsverhalten und der Motivation von Verwaltungsmitarbeiter*innen, insbesondere unter dem Einfluss von Veränderungen wie der digitalen Transformation. Sie interessiert sich auch für den Umgang mit Wissen, Fehlern und Innovationen.

Robert Kiesel,
Perspektive der Bürger*innen und Medien

Robert Kiesel ist Redakteur beim Tagesspiegel und arbeitet als landespolitischer Korrespondent für Berlin. Er hat Politikwissenschaft in seiner Heimatstadt Berlin studiert und das journalistische Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern erlernt.


Moderiert wurde die Konferenz von Christian Erhardt.

Christian Erhardt ist Chefredakteur der Zimper Media, die die Zeitschriften KOMMUNAL und die:gemeinde herausgibt. Er volontierte beim Hörfunk und war danach als Redakteur, Chef vom Dienst und stellvertretender Programmdirektor bei landesweiten Radiosendern in NRW, Niedersachsen und Berlin tätig. 2009 wechselte er in die politische Kommunikation als Pressesprecher einer Partei und einer Landtagsfraktion, nebenberuflich war er sechs Jahre lang als TV-Moderator tätig. Seit 2014 gehört er zum Gründungsteam von KOMMUNAL.


Organisation & Unterstützung

Nicolas Drathschmidt

Nicolas Drathschmidt ist wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management und studiert an der Universität Potsdam im Master Verwaltungswissenschaften. In seiner Abschlussarbeit beschäftigt er sich mit Bürokratie und Red Tape („Amtsschimmel“).

Julia Gräfe

Julia Gräfe ist wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management und studiert im Bachelor BWL und Soziologie an der Universität Potsdam.

Fabian Gödelmann

Fabian Gödelmann ist wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management und studiert an der Universität Potsdam im Master Verwaltungswissenschaften.

Förderungen & Partnerschaften

„Innovation durch Krise“ ist ein Projekt des Lehrstuhls für Public und Nonprofit Management der Universität Potsdam. Es wird gefördert durch:

gefördert vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit statt: